22.4. – 26.4.26 u.a. im Filmtheater Hasetor
Programm im Filmtheater Hasetor:

Donnerstag, 23.04.2026, 17:30 Uhr
My Heart Beats Only for Her
Regie: Mohamed Soueid
LB 2008
87 Min.
(Arabisch, Englisch mit englischen Untertiteln)
Im Anschluss Gespräch mit Stefanie Baumann und Philip Widmann (in englischer Sprache).
Inspiriert von der vietnamesischen Revolution wurde in den 1960er und 70er Jahren der Ruf laut, jede arabische Hauptstadt in ein „Hanoi für die palästinensische Revolution“ zu verwandeln. Dieser Dokumentarfilm erzählt von den Berührungspunkten zwischen den Erfahrungen von Vietnames*innen und Palästinenser*innen. Er zeichnet die Spuren dieser Begegnungen im heutigen Beirut nach, jener arabischen Hauptstadt, die die Vorstellung eines „arabischen Hanoi“ am lebhaftesten verkörperte – vom Ausbruch des Bürgerkriegs 1975 bis zum Abzug der palästinensischen Kämpfer im Jahr 1982. My Heart Beats Only for Her widmet sich der Geschichte von Hatem Hatem, bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Hassan Hanoi. Geboren im Südlibanon und der politischen Bewegung Fatah angehörig, kämpfte Hatem für deren Brigaden. Nach der israelischen Invasion verlor er den Kontakt zur Fatah, kehrte in sein Heimatdorf zurück und distanzierte sich von seinen politischen Aktivitäten. Im Verlauf des Films setzt sich Hatems Sohn Hassan mit seiner Erinnerung an den „vietnamesischen Moment“ der Fatah im Libanon auseinander. Er reist zwischen Beirut, Dubai und Hanoi und reflektiert über die sehr unterschiedlichen und doch sich überschneidenden Beziehungen dieser drei Städte in Bezug auf Revolution, Wirtschaft, Krieg und Stadtentwicklung.

Donnerstag, 23.04.2026, 20:30 Uhr
Frauen in Berlin
Regie: Chetna Vora
DDR 1981
142 Min.
(Deutsch mit englischen Untertiteln)
In langen, kaum geschnittenen Einstellungen sprechen Frauen über ihr Leben. Es geht um die Arbeit, die Beziehung, was vom Tage bleibt, um das Familiäre, das selbstverständlich politisch ist. Zum roten Faden der Gespräche wird die Spannung zwischen persönlichen Ambitionen und durch die Gesellschaft oder die Geschlechterverhältnisse erzwungenem Pragmatismus. Ihm sei „kein Dokumentarfilm der DDR bekannt, der Emanzipation so umfassend begriffen hat“, schrieb damals Ulrich Weiß in seinem Gutachten über den Film, bewertete ihn als „ausgezeichnet“ und setzte unter das zweiseitige Schriftstück den eigentümlich bewegten Satz: „Ich wünsche Chetna Vora Glück.“ Sein Wunsch blieb unerfüllt. Die Schulleitung zog den Film während der letzten Schnittphase aus dem Verkehr, das Material wurde vermutlich vernichtet. Geblieben ist eine unter Aufsicht der Schule geschnittene Kurzfassung und eine heimlich auf eine improvisierte Leinwand projizierte und auf VHS abgefilmte Rohfassung.

Freitag, 24.04.2026, 20:30 Uhr
With Hasan in Gaza
Regie: Kamal Aljafari
PS/DE/FR/QA 2025
106 Min.
(Arabisch mit englischen Untertiteln)
Vor Kurzem entdeckte der palästinensische, in Berlin ansässige Regisseur Kamal Aljafari drei MiniDV-Kassetten in seinem Archiv, die das Leben in Gaza im Jahr 2001 dokumentieren. Dieses Filmmaterial dient als Zeugnis eines Ortes und einer Epoche, die so nicht länger existieren. Was als Suche nach einer Gefängnisbekanntschaft von 1989 begann – nach einem Mann, der in den Wirren der Zeit verloren ging – wurde zu einem unerwarteten Roadtrip vom Norden in den Süden Gazas, mit Hasan, einem einheimischen Reiseführer, über dessen weiteres Schicksal heute nichts bekannt ist. Während die Kamera durch die Straßen und Landschaften Gazas fährt, hält sie flüchtige Momente des Alltagslebens fest – Fragmente einer Realität, die nun unwiderruflich verändert ist. With Hasan in Gaza verwandelt das vergessene Material in eine filmische Reflexion über Erinnerung, Verlust und den Lauf der Zeit. Dabei fängt er ein Gaza der Vergangenheit ein und zeigt Leben, die vielleicht nie wiedergefunden werden können.

Samstag, 25.04.2026, 19:30 Uhr
They Gave Us Flames, We Made a Fire 3: Vermelho Bruto / Rough Red
Regie: Amanda Devulsky
BR 2022
206 Min.
(Portugiesisch mit englischen Untertiteln)
Im Anschluss Gespräch mit Amanda Devulsky (in englischer Sprache).
Vor dem Hintergrund des Endes der Diktatur in Brasilien begann ich diesen Film zu produzieren, indem ich mich auf das konzentrierte, was in der Öffentlichkeit marginal behandelt wurde und unsichtbar war. Viele Menschen waren dabei unberücksichtigt geblieben oder wurden ignoriert – so unter anderem indigene Bevölkerungsgruppen, von der Gesellschaft ausgeschlossene Gemeinschaften, Menschen in Besserungsanstalten, psychiatrischen Einrichtungen und Gefängnissen sowie Frauen, die auf den vermeintlich unpolitischen Raum der häuslichen Pflichten beschränkt waren. Ich entschied mich, mich auf Letztere zu konzentrieren, und stellte mir dabei die Frage: Welche Politik des Alltagslebens wurde dort geschaffen?
Ich habe mich schon immer für Mütter und die Arbeit im Haushalt interessiert. Für den unsichtbaren Kampf, der in den eigenen vier Wänden ausgetragen wird und der nicht als Protest betrachtet wird, obwohl er das vielleicht verdient hätte. Das ist auch Teil meiner Geschichte. Ich bin in Brasília, dem Zentrum der institutionellen und repräsentativen Macht des Landes, geboren und aufgewachsen, bei einer noch ganz jungen Mutter. 2016 beschloss ich, Plakate zu drucken und sie an Bushaltestellen in meiner Heimatstadt aufzuhängen, auf der Suche nach Frauen, deren Lebenswege sich mit meinem gekreuzt hatten. Damals habe ich noch nicht alles, was ich erlebt hatte, miteinander in Verbindung gebracht, aber ich wollte mehr darüber wissen und ich wollte mich erinnern. Daher begann ich mit der Suche nach verborgenen Geschichten, was für mich eng mit der Amateurhaftigkeit als Wert verbunden ist.
Vermelho Bruto ist aus einer Mischung von selbstgedrehten Filmen und zeitgenössischem Filmmaterial zusammengesetzt, das von Jô, Alessa, Fabiana und Eunice erstellt wurde: vier Frauen, die während der ersten demokratischen Wahlen Brasiliens Ende der 1980er-Jahre bereits als Teenager Mütter wurden. Was den Film so besonders macht, ist die poetische und radikale Geste jeder einzelnen von ihnen in ihrem eigenen Umfeld – weit mehr als die klar erkennbaren Unterschiede zwischen ihnen bzw. dem, was sie erlebt haben. Die Struktur und Qualität unterscheiden sich in Bezug auf Bild und Ton. Geräusche und Kratzer besitzen eine gespenstische Dimension. Und doch ist der Körper auf die eine oder andere Weise präsent, im Akt des Filmens und des Gefilmt-Werdens. In Stimme und Atem. Die Brutalität der Gegenwartsform untergräbt meiner Meinung nach die Zeitlichkeit. Ich betrachte den Film als eine Erfahrung des Wanderns und des Sammelns – als etwas, das sich dem Licht, der Auflösung und der linearen Zeit entzieht. Um es mit einem Sprichwort auf den Punkt zu bringen: Mit dem Stein, den er heute geworfen hat, hat Esú gestern einen Vogel getötet.
– Amanda Devulsky















































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