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Kritisch-engagiertes Kino aus Israel von Samuel Maoz, der mit “Lebanon” den Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig gewann und jetzt für “Fotrott” den Großen Preis der Jury erhielt. Auch in diesem neuen Drama interessiert den Israeli wieder die Kultur des Militärs, befeuert vom ewig schwelenden Konflikt mit Palästina, der längst surrealer Teil des Alltags ist. Mit seiner satirischen, ebenso vielschichtigen wie intelligenten Inszenierung geht auf ganz eigene Weise Fragen nach Trauer, Wut und Absurdität der Existenz nach.

Schon beim Anblick der Soldaten, die an die Tür ihres stilvollen Ap­partements in Tel Aviv klopfen, wissen Michael und Dafna was passiert ist: Ihr Sohn Jona­than ist gefallen, gestor­ben im Dienst für sein Land, den jeder jun­ge Israeli ableisten muss, oft an den Gren­zen der besetzten Ge­bie­te, an Straßenposten oder gleich ganz in einem der vielen Kriege, die Israel immer wieder führt. Schockstarre erfasst die Eltern, die Militärseel­sorger agie­ren dagegen routiniert, zu oft haben sie anderen Eltern die gleiche Nachricht über­bracht. Die Beerdigung wird ge­plant, doch dann kommt eine Nachricht, die alles ändert…

Der Foxtrot ist ein Tanz bei dem sich die Tänzer, so wird es im Film gleich zweimal erklärt, zwei Schrit­te vor, zwei nach links, zwei zu­rück und schließlich zwei nach rechts bewegen, anders gesagt: im Kreis. Israel ist ein Land, dass sich seit seiner Gründung vor exakt 70 Jahren im praktisch dau­erhaften Kriegszustand mit seinen Nachbarn befindet, aber auch mit den im israelischen Kernland oder den von Israel besetzen Gebieten lebenden Palästinensern, also prak­tisch mit sich selbst. Der Filmtitel selbst beinhaltet also schon die zentrale Metapher des Films. In Israel hat Regisseur Samuel Maoz viel Kritik für seine Darstel­lung des Militärs bekommen, einer Institution, die wie sonst in kaum einer anderen modernen Demo­kra­tie im Mittelpunkt des täglichen Lebens steht, denn praktisch jede Familie hat unmittelbar mit ihr zu tun. Und viele Familien haben tote Söhne oder Töchter zu beklagen, die im­mer häufiger an den zahl­reichen Kontrollpunkten Dienst tun, die Is­rael von den besetzten Gebieten trennen. Im Dienste der Nation, wie die Verfechter des Status Quo sagen, im Dienste einer fragwür­di­gen Politik, wie Kritiker meinen, die den Kreislauf der Gewalt, der immer neuen Traumata, fortsetzt, die Israel seit seiner Gründung mit sich ­schleppt.

Israel 2017.
Regie & Buch: Samuel Moaz.
Mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray u.a.
113 Min. Ab 12 J.