LITTERA-LESUNG: Ulrich Alexander Boschwitz

Published on 12.08.2019 by Martin Schmidt

Ulrich Alexander Boschwitz: „Menschen neben dem Leben“

Moderation: Peter Graf  / Vorleser: Thomas Sarbacher

LITTERA-Lesung der Buchhandlung zur Heide

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Montag 30.9.2019

Einlass 18.30 Uhr | Beginn 20.00 Uhr

Vorverkauf 8,- € | Abendkasse: 10,- €

Nach der spektakulären literarischen Wiederentdeckung von „Der Reisende“ erscheint nun auch der erste Roman von Ulrich Alexander Boschwitz zum ersten Mal auf Deutsch. Er führt in die Zeit der ersten Jahre der Buchhandlung zur Heide und porträtiert im Berlin der Zwanzigerjahre die kleinen Leute nach Krieg und Weltwirtschaftskrise. Die wahren Verlierer dieser Zeit sind Kriegsheimkehrer, Bettler, Prostituierte, Verrückte. Doch abends zieht es sie alle in den „Fröhlichen Waidmann“. Die einen zum Trinken, die anderen zu Musik und Tanz – sie alle treibt die Sehnsucht nach ein paar sorglosen Stunden. Doch dann tanzt die Frau des blinden Sonnenbergs mit einem Mal mit Grissmann, der sich im Waidmann eine Frau angeln will und den Jähzorn des gehörnten Ehemanns unterschätzt. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf, bis sich neue Liebschaften gefunden haben, genügend Bier und Pfefferminzschnaps ausgeschenkt wird und der nächste Morgen graut…

Ulrich Alexander Boschwitz emigrierte 1935 gemeinsam mit seiner Mutter zunächst nach Skandinavien, wo sein erster Roman „Menschen neben dem Leben“ erschien. Der Erfolg ermöglichte ihm ein Studium an der Pariser Sorbonne. Kurz vor Kriegsbeginn wurde Boschwitz in England trotz seines jüdischen Hintergrunds als „Enemy Alien“ interniert und nach Australien gebracht, wo er bis 1942 in einem Camp lebte. Auf der Rückreise wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert und ging unter. Boschwitz starb im Alter von 27 Jahren, sein letztes Manuskript sank wohl mit ihm.

Peter Graf, geboren 1967, leitet den Verlag Das Kulturelle Gedächtnis und ist Inhaber der Walde+Graf Verlagsagentur. Ein Schwerpunkt seiner mehr als zwanzigjährigen Arbeit als Lektor und Verleger ist die Wiederentdeckung vergessener Texte, so etwa des 2013 wiedererschienenen internationalen Bestsellers „Blutsbrüder“ von Ernst Haffner oder 2018 „Der Reisende“. Darüber hinaus arbeitet er als Buchautor.

Thomas Sarbacher, geboren 1961, startete seine Karriere als Schauspieler bei der Bremer Shakespeare Company. Durch seine Bühnenengagements und zahlreiche Film- und TV-Rollen wurde er einem breiten Publikum bekannt, dennoch blieb er auch der Bühne treu. Für literarische Lesungen und Hörspielproduktionen sitzt er regelmäßig hinterm Mikrofon.

Foto: Luis Kuhn (Sarbacher)

Ulrich Alexander Boschwitz: Menschen neben dem Leben. Roman, 240 S., Klett-Cotta Verlag 2019, € 20,-