LITTERA-LESUNG: Renate Feyl

Published on 12.08.2019 by Martin Schmidt

Renate Feyl: „Die unerlässliche Bedingung des Glücks“

LITTERA-Lesung der Buchhandlung zur Heide

Dienstag 24.9.2019

Einlass 18.30 Uhr | Beginn 20.00 Uhr

Vorverkauf 8,- € | Abendkasse: 10,- €

Wie die Sozialdemokratie aus einer Liebe entstanden ist.

Der neue Roman von Renate Feyl über den spektakulärsten Scheidungsprozess des 19. Jahrhunderts ist eine große Geschichte über die ungewöhnliche Liebe zweier Querdenker und zugleich das eindrucksvolle, leuchtende Porträt einer Zeit, in der sich unser heutiges Gesellschaftssystem zu formen begann. 1845: Europa ist in Aufruhr. Der Student Ferdinand Lassalle begegnet der zwanzig Jahre älteren Gräfin Sophie von Hatzfeldt und verliebt sich in sie. Sie ist mit einem der reichsten und mächtigsten Männer des Landes verheiratet und will sich scheiden lassen – doch kein Anwalt hat den Mut, sie zu vertreten. Kurz entschlossen bricht Lassalle sein Studium ab, um für ihre Freiheit und ihr Recht zu kämpfen. Er verwandelt den Scheidungsprozess in eine öffentliche Anklage gegen die herrschenden Verhältnisse. Von den feudalen Machtträgern gehasst und als Staatsfeind wiederholt verhaftet, wird Lassalle vom Volk gefeiert, avanciert mit der Unterstützung der Gräfin zum Wortführer der frühen Arbeiterbewegung und bereitet den Boden für die Sozialdemokratie. Seine vulkanische Natur und ihr besänftigendes Wesen bilden eine kraftvolle Symbiose – bis er der Diplomatentochter Helene von Dönniges begegnet und eine verhängnisvolle Affäre beginnt.

Renate Feyl, geboren in Prag, studierte Philosophie und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. 1981 schlug sie mit „Der lautlose Aufbruch. Elf Porträts über Frauen“ ein neues Kapitel in der Emanzipationsgeschichte auf. Die Romane über die Gottschedin („Idylle mit Professor“), Sophie von La Roche („Die profanen Stunden des Glücks“), Caroline von Wolzogen („Das sanfte Joch der Vortrefflichkeit“) und Sophie Charlotte („Aussicht auf bleibende Helle“) sind zwar in der Geschichte angesiedelt, behandeln aber ein aktuelles Thema: inmitten all der Abhängigkeit von Kindern, Familie und Beruf seine Unabhängigkeit zu finden und selbstbestimmt zu leben. 1998 zählte die Stiftung Lesen in Mainz Feyls Geschichte einer DDR-Familie „Ausharren im Paradies“ zu den 100 wichtigen Romanen des 20.Jahrhunderts.

Foto: Sibylle Bergemann/Ostkreuz

Renate Feyl: Die unerlässliche Bedingung des Glücks. Roman, 432 S., Verlag Kiepenheuer & Witsch 2019, € 24,-