LITTERA-LESUNG: Aleida und Jan Assmann

Published on 12.08.2019 by Martin Schmidt

Aleida und Jan Assmann: „Kulturelles Gedächtnis und europäischer Traum

LITTERA-Lesung der Buchhandlung zur Heide

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Montag 21.10.2019

Einlass 18.30 Uhr | Beginn 20.00 Uhr

Vorverkauf 8,- € | Abendkasse: 10,- €  – ausverkauft –

Wir freuen uns sehr, die beiden großen Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann anlässlich des 100jährigen Firmenjubiläums der Buchhandlung zur Heide in Osnabrück begrüßen zu können! Bei ihrer Dankesrede während der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2018 sprach das Ehepaar von der Res publica litteraria, dem Heimatland, das keine nationalen Grenzen kennt: „Dieses Land wurde von Dichtern und Humanisten, Verlegern und Buchhändlern an der Schwelle des Druckzeitalters gegründet. Sie haben zwischen den alten und den neuen Sprachen vermittelt und damit die Grundlagen für europäische Vielfalt gelegt. Dabei haben sie die Bibliothek als ihren Kommunikationsraum erfunden und ein Gespräch in Gang gesetzt, das sich über Landesgrenzen und über Jahrhunderte hinweg entwickelte.“ Bisher öffnen Bücher die Denkräume des Geistes –  die Bibliothek ist ein riesiges Archiv der Informationen und ein Universum der Phantasie und Vorstellungskraft. Heute im digitalen Zeitalter ist der Datenmanipulation Tür und Tor geöffnet, aber nicht nur durch Vernebelung mit Fake News und neuesten Technologien. Es gibt dazu weiter den alten, handfesten Betrug. „Vor diesem Hintergrund wird erst deutlich, wie dringend Menschen für ihr friedliches Zusammenleben auf Errungenschaften wie Wahrheit, Glaubwürdigkeit und Verantwortlichkeit angewiesen sind.“

Welche Rolle spielt die Erinnerung bei der Herausbildung kultureller Identitäten? Welche Formen kultureller Erinnerung gibt es, wie werden sie organisiert, welchen Wandlungen sind sie unterworfen? Und was bedeuten sie für den Traum von Europa, den wir nicht aufgeben wollen, einem Europa auf Augenhöhe mit anderen Hochkulturen? Besitzt Europa ein Leitbild? Eine Kernthese der beiden Forscher ist deshalb, dass die Gesellschaft ein Gedächtnis wie jeder Einzelne braucht: um zu wissen, wer wir sind und was wir erwarten können, um uns zu orientieren und zu entwickeln. Ob das offene Projekt Europa eine Zukunft hat oder nicht, hängt deshalb nicht zuletzt davon ab, ob weiterhin eine gemeinsame Grundorientierung anerkannt und umgesetzt wird.

Aleida Assmann war Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. 1978 gründete sie zusammen mit ihrem Mann den Arbeitskreis „Archäologie der literarischen Kommunikation“. Die beiden formulierten aus diesen Ansätzen das Konzept des „kulturellen Gedächtnisses“. In ihrem jüngsten Buch „Menschenrechte und Menschenpflichten“ greift sie angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte Aspekte auf, die für einen neuen, dringlich benötigten Gesellschaftsvertrag unumgänglich sind.

Jan Assmann, geboren 1938, studierte zuerst Klassische Archäologie und Gräzistik, bevor er sich der Ägyptologie zuwendet. 1971 übernahm er bis zu seiner Emeritierung 2003 den Hei­delberger Lehrstuhl für Ägyptologie. Seit 2005 ist er Honorarprofessor für Kulturwissenschaft und Religionstheorie in Konstanz. In seiner wissenschaftlichen Arbeit verlegte er sich früh auf interdisziplinäre Ansätze, nicht ohne einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Zuletzt veröffentlichte er „Achsenzeit“, in dem er sich mit Philosophen und Propheten beschäftigt, die um das 6. Jhdt. v. Chr. in verschiedenen Kulturräumen der Welt unabhängig voneinander die geistigen Grund lagen der Moderne schufen.

Beide Wissenschaftler nahmen zahlreiche Gastprofessuren wahr und erhielten vielfache Auszeichnungen. Gemeinsam erhielten sie 2017 den Balzan Preis und den Karl-Jaspers-Preis sowie 2018 den Friedenspreis des Deutschen Buch handels. Das Ehepaar lebt in Konstanz.

Foto: Corinna Assmann